Vermisst!

Zum Feierabend setze ich mich ins SOL Y MAR und versuche dem Tag noch ein paar Sonnenstrahlen abzuquetschen.
Hier gibt es ziemlich gutes Essen, eine reichliche Auswahl an Getränken und Wasser aus Flaschen mit Svarovski-Steinen, das 98 EUR der Liter kostet. Und surfen kann man auch. Im Internet. Fast wie zu Hause im Second Cup. Ich bestelle einen Latte Macchiato und ein Glas Leitungswasser.

Kellner: Also ein ganz kleines Wasser.

Ich: Nee, lieber hätte ich ja ein großes.

Kellner: Dann können Sie gern aus der Karte eins bestellen.

Ich: Grmpf.

Ich will zurück ins Café Santropol!!!! Zu den freundlichen zweisprachigen Kellnerinnen mit der großen Wasserkanne und den Ananasscheiben und frischen Erdbeeren zum Kaffee.

Ich gehe in die Apotheke und denke an Uniprix und Jean Coutu. Zum Beispiel auf der Cote-du-Neige oder auf der Sainte-Catherine Ecke Guy. Es stimmt wirklich, in Kanada kann man Aspirin in Flaschen zu 200 Stück kaufen. Kanadische Apotheken sind wie Supermärkte, wo man sich selbständig zwischen 20 Durchfall- oder Abführmitteln entscheiden und die Pillenschachtel der Wahl dann einfach aus dem Regal nehmen kann, ohne das Personal mit den Details seiner mangelhaft funktionierenden Darmperistaltik zu behelligen. Dasselbe gilt für Beruhigungstee und diverse homöopathische Mittel, die der Einfachheit halber und anders als in Deutschland mit einer klar verständlichen Indikation wie „Stress“ „Reiseübelkeit“ oder „Anti-Schnupf“ ausgezeichnet sind. Auf schwere Fälle oder Menschen mit mangelnden Fremdsprachenkenntnissen wartet der Apotheker in einem abschließbaren Kabuff. Wenn man „Je suis mal a la gorge“ sagt, hat man gute Chancen auf eine Einführung in die Feinheiten kanadischer Halswehtabletten. Die, anders als die in Deutschland, sogar tatsächlich wirken und mir viereinhalb Wochen lang Schlimmeres vom Hals gehalten haben. Gorgeous!

Ich laufe durch den Konsum und denke an Sojachai-Smoothie aus großen Flaschen, und an Hummus im Becher, wahlweise mit Paprikageschmack oder einfach so. Ich könnte mich gerade sehr für einen Ahornyoghurt erwärmen, und zwar nicht, weil er so gut schmeckt, sondern weil es ihn nur da gibt. In Montreal. Ich bin sogar bei Facebook schon Fan der Montrealer Verkehrsbetriebe geworden – das würde mir in Deutschland nun wirklich nicht einfallen. (Von 1,6 Millionen Einwohnern in Montréal haben sich auch gerade mal nur 2700 dazu durchringen können, mit dem Movement Collectif auf Facebook Freundschaft zu schließen.)

Ich komme beim vietnamesischen Imbiss vorbei und gucke – mit vorauseilender Enttäuschung – auf die Karte. Natürlich. Keine Imperial Rolls und auch kein „Poulet a la citronelle avec des vermicelles de riz et crudites“.

Wenn ich die vollgestopften Mülltonnen in unserer Straße betrachte, denke ich: Waschbär.

Wenn ich an Bäume denke, sehe ich den Parc Mont-Royal vor mir, und bei Kamera denke ich an die Fotos. Die alle noch in der Atmosphäre schlummern und darauf warten, aufgenommen zu werden. In Kanada. Von mir. Irgendwannvielleichtschonbald.

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