Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen – aber nicht hier! Wirklich nicht.

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Mein Artikel über Tuktuks und Songthaews in Chiang Mai hat erstaunliche Wellen geschlagen. Besonders das Feedback von Deutschen, die schon lange in Thailand leben (müssen), war eher negativ geprägt:

Diese Blechkisten seien unmögliche, unsichere Luftverschmutzer, die verboten gehören. Und die Songthaew- und Tuktukfahrer seien allesamt Mafiosi, die die Touristen hassen und ihnen auf betrügerische Weise, notfalls mit Gewalt, das Geld aus der Tasche ziehen wollen.

Hierbei berichten die Einzelnen nicht unbedingt nur über das beschauliche Chiang Mai, sondern es werden vielfach die Verhältnisse in Pattaya oder Bangkok geschildert.

Mein Artikel wurde als touristisch, schönfärberisch, realitätsfremd und ohne Tiefgang bezeichnet.

Ich habe das alles gelesen und war erstaunt, um nicht zu sagen, baff!

Gibt es denn wirklich nur eine Wahrheit – gerade bei sehr unterschiedlichen Kulturen und ihren Sitten?

Nachdem ich diese unerwarteten und so ganz von meinem Eindruck abweichenden Meinungen zum Straßenverkehr in Thailand/Chiang Mai gelesen hatte, dachte ich als Erstes, dass es doch gut gewesen wäre, dem Artikel (und eigentlich jedem meiner Artikel) folgenden Hinweis voranzustellen:

ACHTUNG! WARNHINWEIS!
Dieser Text ist nicht die Wahrheit. Er ist nicht einmal eine den Tatsachen entsprechende, wasserfest recherchierte Reportage darüber, wie die Dinge hier sind. Denn ich weiß nicht, wie die Dinge „sind“ – weder hier noch sonst irgendwo.

Ich versuche nur möglichst nachvollziehbar zu beschreiben, was ich erlebe. Da können Sinneswahrnehmungen drin vorkommen, wie das Knattern der Tuktuks und die vielfältigen mehr oder weniger angenehmen Düfte des Obstmarktes. Auch die eine oder andere Gefühlsaufwallung, das eine oder andere Jauchzen und Frohlocken und sogar hier und da ein Gedanke von mir. Ich möchte damit meine Begeisterung und mein Staunen über die Welt und die Vielfalt des Lebens teilen und vielleicht Dein Fernweh oder Deine Sehnsucht wahlweise etwas lindern oder neu entfachen.

Wenn Dir die Art, wie ich in die Welt blicke und darüber schreibe, gefällt, nehme ich Dich gern mit auf die Reise.

Aber: Die Wahrheit gibt es bei der Textnomadin nicht! Die habe ich nicht im Angebot, weil ich dafür zu wenig weiß – und mit zunehmender Reiserei sogar immer weniger:

Weil mir bewusst wird, dass es so viele Wahrheiten gibt wie Kulturen oder gar Menschen. Lass eine thailändische Marktfrau, einen Taxifahrer, einen Touristen, einen Aussteiger, einen Mönch, einen Expat und einen Tuktukfahrer über die Tuktuks sprechen, und Du wirst von jedem etwas anderes hören. Und das ist auch gut so. Denn gäbe es nur eine Wahrheit, dann gäbe es auch nur eine einzig richtige Weise zu leben, zu reisen und von A nach B zu gelangen. Und dann müsste man überhaupt nicht mehr von A nach B, weil es ja überall gleich wäre.

Das fände ich als Reisende und Reiseschreibfritzin sehr schade!

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Zurück zum Thema Tuktuk:
Unser Verhältnis zu den Tuktuk-Fahrern ändert sich von Tag zu Tag. Anfangs haben wir fleißig gefeilscht und sind zu wirklich günstigen Preisen in die Stadt gekommen.

Mit zunehmendem Hiersein (inkl. warmem Klima, vollgestopften Tagen und der damit verbundenen Erschöpfung) sind wir faul geworden und wollten uns, vor allem abends, mit unseren schweren Tüten voller kühler Getränke aus dem 7Eleven einfach nur noch ohne viel Gewese auf den gemütlichen Tuktuk-Rücksitz plumpsen lassen.

Die Konsequenz: Höhere Preise und eine geradezu unheimliche Berühmtheit bei ein paar unangenehm machohaften Fahrern am Tae Phae Gate.

Ganz klar: Es musste wieder Sparsamkeit einkehren! Also steigen wir nicht mehr an typischen Touri-Punkten ein – und wenn wir uns mit dem Fahrer nicht einig werden, kann man ja auch mal laufen.

Den Nachteil dieser Strategie bekamen wir nach dem Zoobesuch zu spüren:
Mit großer Gelassenheit ließen wir einen Songtheaw-Fahrer, dessen Preise uns zu teuer waren, vor dem Zooeingang stehen. Laufen wir halt ein Stück und nehmen das nächste!

Die Gelassenheit schwand bereits nach 500 Metern, als – deutlich nach der Zooschließzeit – auf der langen Straße stadteinwärts weit und breit kein Tuktuk und kein Songtheaw zu sehen war.

An der ersten Bushaltestelle nach dem Zoo hat er uns dann doch noch eingesammelt – zusammen mit einem japanischen Pärchen. Anstatt unsere Not auszunutzen, ließ er uns jetzt ohne weiteres zum von uns vorgeschlagenen Preis mitfahren. Ein freundliches Grinsen gab es gratis dazu: „Los, rein mit Euch.“

PS: Bei aller Freude an den verrückten Fahrzeugen muss ich trotzdem nachtragen, dass ich inzwischen eine Statistik gesehen habe, nach der Thailand bezüglich der Menge an Verkehrstoten weltweit einen bedauerlichen Platz sehr weit vorne einnimmt. Das lässt sich weder verschleiern noch schönreden – auch wenn das persönliche Empfinden ein anderes ist.

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