สองแถว – Songthaew

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Heute sind wir zum ersten Mal mit einem Songthaew gefahren – für die Touristen auch „Red Car“ genannt. Das sind diese herrlichen roten Fahrzeuge, die man hier an jeder Ecke sieht, oft beladen mit 6 oder mehr Fahrgästen plus zusätzlichem Passagier hinten auf der Plattform stehend. Wenn man genau hinguckt, handelt es sich um einen Pickup mit einem Aufbau auf der Ladefläche, der den Fahrgästen Regen- und Windschutz bietet.

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Man sitzt sich auf zwei Bänken auf der Ladefläche gegenüber und blickt durch die schmalen Seitenfenster nach draußen in den fließenden Verkehr – auf Tuktuks, andere Red Cars, die man vereinzelt auch in dunkelgrün, gelb oder weiß sieht (die Farbe hat etwas mit der bevorzugt befahrenen Linie zu tun – so erreicht man mit den gelben Songthaews z.B. auch Orte außerhalb der Stadt), alte Mütterchen, die ihre Garküchen hinter sich herziehen, Fahrräder und Mofas mit Beiwagen (sehr beliebt!), wenige geschlossene, klimatisierte Taxis, und erwähnte ich die Tuktuks schon?

Und so funktioniert’s:
Freie Songthaews fahren langsamer, wenn sie diese armen verrückten Westler wieder mal zu Fuß über die Straße gehen sehen. Das kann ja kein Mensch mit ansehen in der Hitze – ganz klar, die brauchen ein Fahrzeug. Ist man interessiert und möchte den Rest seines Weges in einem lustigen, komfortablen Fahrzeug zurücklegen, verhandelt man mit dem Fahrer (in unserem Fall saß die ganze Familie inkl. des etwa 5 jährigen Sohnes am Steuer) erst über das Ziel, dann über den Preis. Ist man sich einig geworden, darf man hinten auf der Ladefläche Platz nehmen und die Stadt fortan durch zwei schmale Seitenfenster betrachten, aus denen man sonst immer – wie witzig, guck mal, schnell, ein Foto! – andere Fahrgäste rausgucken sieht.

Und so ist es, im Songthaew zu fahren:
Warm. Die Sonne knallt aufs Dach, und im Gegensatz zu einer luftigen Tuktukreise fehlt der Fahrtwind. Die Luft ist abgasgeschwängert, da man mit dem Red Car öfter auch mal eine Weile im städtischen Stau steht, z.B. auf und hinter der Nawarat Brücke. Dafür kann man aus dem offenen Fahrzeugheck unscharfe Fotos der anderen Verkehrsteilnehmer machen.

Während wir im warmen Songthaew sitzen und ich im Geiste nach Möglichkeiten suche, eins mit nach Deutschland zu nehmen, oder mir eins bauen zu lassen, vor allem aber, dieses auch durch den TÜV zu kriegen; während ich mich schon mit meinem eigenen Red Car in warmen Leipziger Sommernächten über den Goerdelerring brausen sehe…bringt uns unser Fahrer sicher und schnell zum Obstmarkt außerhalb des Altstadt-Karees. Ein bisschen sind wir auch froh, aussteigen zu können – fast wären wir für immer an den plastikbezogenen Sitzbänken festgeklebt.

Unser Lieblingsfahrzeug hier bleibt das Tuktuk. Tuktukfahren ist ein billiges Vergnügen mit Aufheiterungsgarantie. Für umgerechnet 1-2 EUR bekommt man für eine Viertelstunde lang pures Glück! Geschwindigkeit. Fahrtwind. Lustige Ausblicke auf die Umgebung. Einen bequemen, oft etwas durchgesessen Sitz mit dem Feeling eines alten Sofas. Und erwähnte ich schon Fahrtwind?

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Im thailändischen Straßenverkehr erlebe ich fast schmerzlich, in was für einem durchorganisierten, geregelten Land wir in Deutschland leben. Und was wir dadurch alles Lustiges verpassen! Natürlich kenne ich die thailändische Tuktuk-Unfallstatistik nicht (allein das Wort!) – aber ich fühle mich im Tuktuk 100% sicher, weil ich weiß, der Fahrer hat alles im Griff. Auch mit zwei dicken deutschen Damen auf dem Rücksitz.

Auch hier gibt es Ampeln. Aber wenn Grün ist, kommen alle aus allen Richtungen angeschossen. Die Tuktuks schlängeln sich durch, die Songtheaws müssen warten, und die Garküchenomi steigt von Ihrem Fahrrad und schiebt das Gefährt zu Fuß über die Kreuzung. Man gibt sich Handzeichen, wechselt Blicke, und wie bei Tetris landet jeder am Ende auf dem genau richtigen Platz. Manchmal nur haarscharf, aber ohne dass etwas passiert. Dieses gut funktionierende Chaos ist Balsam auf meine zum Quadrat gequetschte deutsche Seele! BALSAM!

Sobald ich morgens aus unserer Unterkunft auf die Straße trete und ein Tuktuk oder ein Songthaew sehe, bin ich glücklich. So glücklich, dass ich breit grinsen muss! Nieder mit dem TÜV!!! Tuktuks nach Deutschland!!! Was soll ich bloß in ein paar Tagen ohne sie machen?

Zum Thema Verkehr fällt mir gerade noch was ein:
Nach unserer Fahrt im Songthaew waren wir auf einem Obst- und Gemüsemarkt – Ihr wisst schon, auf der Suche nach der legendären Stinkfrucht. Gefunden haben wir keine, nur …, …. und ….
Aber das ist eine andere Geschichte.

Was ich eigentlich erzählen will:
Als die einzigen Nichtasiaten auf dem ganzen Markt kamen wir uns ziemlich komisch vor. In Ländern wie Spanien habe ich ja immer halbwegs erfolgreich versucht, meinen Ausländerstatus zu verschleiern und mich, z.B. durch gekonntes Nuscheln  in der Landessprache sowie die Nutzung von Slang-Ausdrücken meiner Umgebung anzupassen. Das kann man hier vergessen. Man kommt sich auffällig und schwerfällig vor.

Und dann standen wir auch noch dauernd im Weg! Lastenträger, Pickups voller Kohl, Mofas mit Jackfrüchten, alle mussten sich mühsam einen Weg um uns herum suchen. Bis uns schließlich klar wurde – in Thailand herrscht Linksverkehr. Auch auf dem Markt!

Sobald wir anfingen, uns nicht mehr rechts, sondern links an den Fleisch-, Fisch- und Gemüseständen vorbeizudrücken, wurde es besser.

Ein bisschen mit dem Strom schwimmen kann man also auch hier – dadurch hält uns zwar keiner für Thais, aber vielleicht wenigstens für etwas höflichere Ausländer.

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