Jenseits der Kuhglocken

Bergwiesen mit HäusernZurück aus dem Urlaub.
Die bessere Hälfte ist gleich weitergeflogen in den nächsten Urlaub.
Und ich bin hier – in der großen, neuen Wohnung, in die wir im Februar gezogen sind.

Still ist es hier. Keine Kuhglocken. Kein rauschender Bergbach. Keine Schwalbenkinder, die lauthals ihr Futter fordern. Keine trächtige Ziege, die mit geräuschvollem Gemecker ihre Gefährten vom Futtertrog verjagt, um das frische Gras für sich allein zu haben. Und auch das Ratschen der Sensen beim Heumachen ist in seinem abgelegenen Südtiroler Tal geblieben.

Nachts ist die Stille am Lautesten. Dann rauscht es in meinen Ohren, und hinter jedem Knacken vermute ich einen Einbrecher. Wenn ich in der Helligkeit des Tages aufwache, habe ich wieder eine dieser stillen Nächte geschafft. Noch 3. Noch 2.

Dann geht es wieder los – in einem grünen VW-Bus (heutzutage heißt sowas ja Caddy) mit ausgebauter Sitzbank. Auf dessen Ladefläche genau die Zweitmatratze vom Zweitbett passt. Perfekt. Auch für eine Kühlbox (Sojamilch!) und zwei Klappkisten (Klamotten/Bücher und Spielkram) ist noch Platz. Freunde und Eltern im Norden und Westen des Landes sind informiert und freuen sich auf den Besuch.

Und bis dahin? Drücke ich mich in der stillen Wohnung herum. Wasche Wäsche. Versuche, 17 Tonnen italienischer Vorräte irgendwie in unserer Mini-Küche unterzubringen: Nudeln, Passata di Pomodoro, Spargelrisotto und Hafersuppe aus der Tüte sowie dosenweise Minestrone, die man super als Grundlage für die berühmte „Bauwagensuppe“ nehmen kann.

Ich räume mein Zimmer auf und die von der Reise mitgebrachten Schätze ein. Surfe nach Tagen ohne Empfang im Internet, bis mir schwindlig ist. Frühstücke im Lieblingssessel mit einer Folge der Lieblingsserie. Koche und esse endlich wieder ganz vegan, mit Sojamilchkaffee und Müsli morgens. Will Tagebuch schreiben, alles aufschreiben, finde aber keine Ruhe. Nehme für ein paar Stunden einen kurzfristigen Texterjob an. Treffe Freunde. Liege nachts wach. Und habe Heimweh nach dem Unterwegssein.

Ich mag Stille. Sehr sogar. Aber wenn man Kuhglocken und das Plätschern eines Bergbaches gewöhnt ist, tut sie in den Ohren weh.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.