Dear Chiang Mai – ein erster Liebesbrief

Dear Chiang Mai

สวัสดีเชียงใหม่,

als wir uns das erste Mal begegneten, hätte ich noch nicht gedacht, dass wir Freunde werden.

Deine feuchtwarme Luft fand ich erst mal weniger schlimm als erwartet, aber als wir am ersten Abend verschwitzt und müde eine Deiner Straßen entlang schlenderten, um etwas zu essen zu finden, da bekam ich schon ein wenig Respekt. Wir kamen nämlich erstmal nicht besonders gut zurecht.

Gerade erst nach 24 Stunden Stillsitz-Strapaze aus dem Flieger gefallen, gelang es uns nicht, etwas Vegetarisches zu essen zu finden – trotz der vielen Garküchen am Straßenrand. Unsere Frage „Rice with Vegetables?“ oder „No Meat?“ wurde entweder nicht verstanden, oder man zeigte auf große Stücke Schweinefleisch oder ein armes aufgehängtes Hähnchen. Also wirklich!

Wir trauten uns schließlich in eine Art Garagenküche mit Sitzplätzen. Hier gab es auf der Karte auch englische Beschreibungen, und es gelang uns, ein Gemüsegericht und ein Omelette zu bestellen. Die halbe Belegschaft umringte uns beim Versuch, die Wünsche dieser komischen Europäer zu verstehen, und ich dachte, oh je, das kann ja kompliziert werden.

Müde und deprimiert wie ich war, konnten mich nicht mal die vielen kleinen Geckos aufheitern, die im Eingang zu unserer Unterkunft an der Decke saßen. Danke Dir trotzdem, dass Du sie da für uns hingesetzt hast, ich weiß die Geste zu schätzen. Und Du kannst Dir sicher sein, ich werde nicht müde, oh und ah zu rufen, wenn ich einen Gecko sehe.

Nach einer Nacht wunderbaren, tiefen Schlafes im besten aller Betten ging es mir schon besser. Von unserem Zimmer aus stolpern wir in einen herrlichen Dschungel mit Bananenbäumen, in denen farbenprächtige Orchideen hängen. Wahrscheinlich weißt Du genau, wie sehr ich grüne Blätter liebe 🙂
Am deutschen Winter deprimieren mich weder Kälte noch Dunkelheit, sondern nur das fehlende Grün. Deutschland wird im Winter zum Schwarzweißbild, und ich mag Farbe.

Spätestens beim Frühstück war sämtliche Unsicherheit verflogen und ich hatte die leise Ahnung, dass es doch noch etwas werden kann mit uns. Ich sage nur, Bananenpfannkuchen! Mangopfannkuchen! French Toast! Käse, der bei Dir ja nicht so beliebt ist, kann man in zwei ordentlich gerollten Scheiben extra bestellen. Endgültig für Dich eingenommen hast Du mich, als ich nach einem Sojalatte fragte und das völlig selbstverständlich war. An jedem Kiosk gibt es hier Sojamilch. Das ist toll! Auch wenn ich dann doch meistens den eiskalten Milchtee kaufe, bei dem ich nicht lesen kann, ob er mit Kuh- oder Sojamilch ist.

Chiang Mai, ich sags mal ehrlich – Du machst es einem als Nordeuropäer nicht gerade leicht, zu Dir zu kommen. 24 Stunden Flug! Weißt Du, wie man sich danach fühlt? Ich wusste nicht, wie erschöpft und klebrig man sein kann. Aber wenn man dann erstmal da ist, geschlafen hat, gefrühstückt hat und dann ein kühles Bad im Pool genommen hat, dann fühlt man sich wie neugeboren – und spürt ein leichtes Gefühl der Zuneigung für Dich in sich aufkeimen, das immer stärker wird.

Dafür erstmal ขอบคุณ und bis bald,
eine glückliche Textnomadin.

 

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